EIN TURMFALKE ...
… während drei Wochen zu Gast im Tal der Esel
Den Turmfalken (Falco tinnunculus) sieht man oft über den bulgarischen Himmel schweifen. Leider leidet seine Population heute jedoch an den Folgen menschlicher Eingriffe. Die grösste Bedrohung ist das Vordringen des Menschen in seinen Lebensraum durch Urbanisierung und den Ausbau von Infrastrukturen. Turmfalken gleiten über offene Regionen, über Wiesen, Felder und Weiden. Man kann sie sogar beobachten, wie sie über Städte schweben.

Eine Gruppe von Kindern, Mitglieder des Fischervereins im Dorf Blatska, findet einen jungen Vogel dieser Spezies, der auf den ersten Blick um die drei Monate alt zu sein scheint. Der Vogel kauert am Boden, unfähig zu fliegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein junger Turmfalke bei uns im Tal zur Genesung weilt. Im Sommer 2023 hatten wir einen ähnlichen Fall, als eine Gruppe Senioren einen Vogel fand. Damals kam uns der hiesige Ornithologe zu Hilfe, dem viele Vögel der Region ihr Leben verdanken.

Im Jahr 2023 haben wir die Vogelvoliere fertiggestellt, damit auch andere gefiederte Freunde bei uns Schutz finden, wenn sie Hilfe brauchen. Der neue Gast wird genauso versorgt wie die anderen. Er bekommt regelmässig rohes Hühnerfleisch, denn in der Natur jagen Turmfalken Nagetiere, kleine Reptilien und Insekten.

Der Kontakt mit Menschen sollte sich auf ein Minimum beschränken, sonst verliert der Vogel seinen Selbsterhaltungstrieb. Diesen braucht er, damit er wieder in sein natürliches Habitat ausgewildert werden kann. In der zweiten Woche des Aufenthalts des Turmfalken schleichen wir uns an, um ein Foto zu machen. Mit grosser Befriedigung sehen wir, dass er immer mutigere Flugversuche unternimmt.

In nur drei Wochen Aufenthalt im Tal hat unser Turmfalke das prächtige Aussehen und das Auftreten eines ausgewachsenen Raubvogels angenommen. Wir sind stolz darauf, zu seinem Überleben und seiner Genesung beigetragen zu haben. In den letzten Tagen vor der Auswilderung geht es nun darum, das richtige Gleichgewicht bei der Fütterung zu finden: nicht zu wenig, damit der Vogel nicht zu schwach ist, aber auch nicht zu viel, damit er nicht zu schwer wird.
Nach seiner vollen Genesung darf unser Turmfalke wieder in die Natur zurück. Unter den aufmerksamen Augen der Kinder, die ihn gefunden haben, wird er ausgewildert.

Aber es ist nicht einfach zu begreifen, was man als Turmfalke nun tun muss, wenn man als so junger Vogel schon so viel erlebt hat. Das Tier verharrt zögernd, bis der Ruf des Himmels stärker ist als alles andere und er so plötzlich abhebt und davonfliegt, dass wir den Augenblick, auf den wir seit dem ersten Tag gewartet haben, gar nicht wirklich erfassen können.
Aber was wirklich zählt, ist, dass wir erleben, wie der Turmfalke sich in den Himmel erhebt. Ein weiterer geretteter Vogel, der die Schönheit seiner Gattung der Welt offenbaren kann. Dank dieser Erfahrung haben die Kinder eine Verbindung zu einer anderen Spezies aufgebaut. Das ist es, was uns wirklich Hoffnung gibt.